Pflichtkür: Auszeit! – – – – Wie der Krebs mich zu neue Lebensinhalte führt.

Beiträge mit Schlagwort ‘Sarkom’

1. August – Erste Tage in der Klinik

Gestern hat mich meine Frau in der Münchener Klinik gebracht; ich traue mich noch nicht selber zu fahren, obwohl die Schwellung des Blutergusses schon sehr zurückgegangen ist, ist mein Bein immer noch etwas unbeweglich und manchmal schmerzhaft.
Die Aufnahme verlief schnell und ohne Probleme. Die erste Vorbereitungen auf der Station und in andere Abteilung (Lungen und Herzfunktion) haben auch schon gestern nachmittag stattgefunden.

Heute wurden mein Port gesetzt und die Röhrchen für die Temperatur-Sensoren – benötigt während der Hyperthermie – in mein Tumor angebracht.

Das Setzen des Ports war etwas ungemütlich, denn die örtliche Betäubung war noch nicht ganz so weit wie das Messer des Arztes geschnitten hat (autsch).

Die Sensoren wurden etwas verzögert eingebracht, denn kurz nach der Betäubung war Unklarheit über die gelieferte Materialien, sodass erst der Ingenieur der Hyperthermie sein Urteil abgeben musste. Mein Bein bekam deshalb vorsorglicher weise  noch eine Ladung Betäubung, somit fühlte sich mein Oberschenkel nur noch als Klotz an.

Morgen ist der erste Hyperthermie Termin und übermorgen (Samstag) mein Geburtstag.

22. Juli – Besuch in der Onkologie

Heute ist der Termin mit dem Arzt der Onkologie und Hyperthermie. Da wir diesmal besser informiert wurden wann der Termin ist können wir entspannt anreisen. Wir sind rechtzeitig da und kommen auch sehr bald dran. das Gespräch dauerte knappe einein-viertel Stunde, denn der genaue Ablauf der zwei Behandlungsangebote soll richtig verstanden werden.

Schon vorher hatte ich mich innerlich eigentlich schon für den weg über die Chemotherapie entschieden. Erstens, weil ich eine intensive Behandlung präferiere um auch wirklich alle Sicherheiten zu bekommen und zweitens, weil ich sehr neugierig nach der Hyperthermie-Anwendung bin. Ich habe auch keine Bedenken, das eine solche Behandlung einiges vom Körper fordert und nehme dies als evtl notwendiges Übel. Gehe aber gleichzeitig davon aus, dass durch den heutigem Stand der Behandlung und meine gute körperliche Verfassung ich dies ohne große Probleme durchlaufen werde.

Am Ende des Gesprächs sind wir uns einig, dass ich die Therapie nach „Issels“ bekomme mit 4 Blöcke Chemo/Hyperthermie, dann OP, gefolgt von Bestrahlung und danach nochmal  4 Blöcke Chemo/Hyperthermie. Die eingesetzte Chemikalien sind Ifosfamid und Doxorubicin im Verhältnis 60/9 (so der Plan). Die Therapie sollte starten, sobald einen freien Platz in der Onkologie verfügbar wird, ich bekomme das Versprechen, dass spätestens ende der Woche einen Termin bekannt sein sollte. Erwähnt sei noch, dass ich eine erbliche Abweichung der Leber habe, Hämochromatose, welche evtl Einfluss auf der Behandlung haben könnte, dies wird noch vom ärzte team weiter diskutiert

9. Juli – Ausschluss der Metastasierung

Gestern – Montag – wurde ein CT des Abdomens und Thorax gemacht zur Feststellung ob evtl schon Metastasen vorhanden wären. Leider war mein Zugang im Arm nicht mehr funktionsfähig, sodass einiges vom Kontrastmittel (Jod) in mein Arm gelaufen ist. Nach Versorgung und neuer Nadel wurden die Aufnahmen erfolgreich durchgeführt.
Am ende lächelte mich die Ärztin an und teilte mir mit, das Sie keine offensichtliche Fremdkörper entdeckt hat; Details kommen noch schriftlich. Das war schon mal eine Erleichterung, obwohl ich das ganze Ausmass dieser Befund erst später realisiert habe.

Am Dienstag war das MRT dran; ab nach Nürnberg, denn Lokal ist kein solcher Scanner vorhanden.
Mein Bein wurde vom Knie bis zur Hüfte aufgenommen und in (foto-)Scheiben verteilt. Somit wurde die ganze Grösse des Tumors deutlich. Jetzt ist er 16x8x6cm und oben-rechts, in mein Linker Oberschenkel und hat schon den Muskel (Vastus Medius) infiltriert.
Ein Termin in München wurde für den Freitag (den 12.) vereinbart. Was mir aber in dem Moment nicht klar war, ist das ich selber die Bilder mitnehmen sollte und diese dazu erstmal beim MRT-Team verlangen sollte.

Morgen (Mittwoch) werde ich entlassen und bekomme den Überweisungsbrief für München.

7. Juli – Erste Vermutungen das es Ernst ist

Sonntag – Die Betreuung im Krankenhaus ist sehr gut. Der Schmerz lässt glücklicherweise schon nach und meine Familie ist auch zu besuch. Somit ist bei mir noch keine Langeweile aufgetreten. Andererseits, ich kann auch sehr gut meine Zeit alleine durchbringen. Bewegen auf der Station geht nur mit Unterarm-Stützen, da ich mein Linkes Knie noch nicht schmerzfrei belasten kann.

Nachmittags kommt die diensthabende Ärztin und setzt sich mit eine seriöse Mine auf ein Stuhl vor mein Bett. Ich spüre, dass Sie meine volle Aufmerksamkeit haben möchte um mich eine schwierige Nachricht zu bringen.
Es liegt jetzt ein erster Verdacht vor. Ohne in Details zu gehen oder eindeutige Worte zu benutzen versucht sie mich klar zu machen das die Schwellung am Bein sehr Ernst genommen werden muss. Eine weitere Behandlung ist in diesen Krankenhaus nicht möglich, und die nächsten Spezialisten für mein Problem sind nur in Heidelberg (240km) oder München (200km) zu finden.
Es mag sein, dass das Wort „Sarkom“ gefallen ist, aber ist bei mir nicht hängen geblieben. Das weitere Gespräch ging dann darüber welche Aktivitäten dann anstehen ab Montag, die Details dazu und dass sie für mich ein Termin in München macht.

Meine erste Gedanken waren kein Schrecken oder Angst, sondern eher Beruhigung, weil ich fühlte, dass gut um mich gekümmert wird. Vielleicht ist es mein Optimismus oder vielleicht auch Leichtsinnigkeit, aber ich hatte nie das Gefühl das meine Schwellung eine Bedrohung darstellt, sondern eine Krankheit den mann heilen kann – und wird.

Im nachhinein bin ich noch immer Froh, dass man mich sofort an ein Sarkomzentrum verwiesen hat, und nicht nach Nürnberg oder Erlangen geschickt haben, denn mann kann bei ein Sarkom soviel Falsch machen; verschiedene Blogs und Foren zeigen dies.

4. Juli 2013 – Explosieves Wachstum

Dieser Tag war ein sehr stressiger Tag, viele Meetings mit ein fordernden Kunde. Am Ende des Nachmittags sitzen wir zum Wrap-Up noch mal zusammen und da spüre ich ein Schmerz in meinen Knie. Nachher – noch mal schnell ein paar E-mails abarbeiten – wird der Schmerz immer störender, auch ist mein ganzer Oberschenkel dick geworden.

Mit viel Schmerzen quäle ich mich Heim – sogar das Auto habe ich noch vollgetankt. Zu Hause nehme ich erst mal ein Schmerzmittel und erkläre meine Frau was los ist.
Nachdem mein Bein genau da dick ist, wo auch der Knubbel ist habe ich mich entschieden mein Arzt an zu rufen. Er ist natürlich um halb acht nicht mehr in Dienst, so dass ich bei der Bereitschaft lande. Nach einer Stunde ist ein Ärztin bei uns. Weitere Schmerzmittel und einer Kochsalz-Infusion folgen. Nachdem sie sich auch keine Diagnose hat, schickt sie mich im Krankenhaus. Der Krankenwagen braucht viel Zeit, sodass ich erst gegen 22:30 in der Notaufnahme ankomme.

Die erste Untersuchung zeigt viel Feucht im Bein und eine unklare Verdickung.
Danach werde ich im Zimmer gebracht und weiter mit Schmerzmittel ausgestattet, ich schlafe aber schlecht diese Nacht.

Ich fühle mich ruhig, bin nicht ängstlich oder hektisch, gehe die Sache mit Vernunft an; nur die Schmerzen halten mich wach
Ich empfand es sogar als lustiges Erlebnis, von einen Krankenwagen abgeholt zu werden. Auch in ein Krankenhaus war ich noch nie als Patient, somit konnte meine Neugierde aufblühen.